Als Hörakustikmeister erlebe ich es täglich: Kunden kommen zu mir und klagen über schlechte Hörqualität. Oft ist der Grund ganz simpel – sie wissen nicht, wie sie ihre Hörgeräte pflegen sollen. Ohrenschmalz kann das Ohrstück oder den Lautsprecher verstopfen und dann klingt alles dumpf oder geht gar nichts mehr. Das ist echt ärgerlich, aber völlig vermeidbar.
Ehrlich gesagt, die meisten Probleme ließen sich durch eine ordentliche Pflege von vornherein verhindern. Hierzulande merkt man inzwischen überall, dass sich das Bewusstsein für die richtige Hörgerätepflege langsam verbessert. Die großen Hersteller wie Apollo, KIND, Amplifon und Oticon predigen das schon lange – aber erst jetzt kommt es auch bei den Trägern an. Wobei ich sagen muss: Wer in vernünftige Reinigungsprodukte investiert, spart langfristig eine Menge Geld. Weniger Reparaturen, besserer Klang – macht halt einfach Sinn.
Warum die regelmäßige Reinigung so verdammt wichtig ist
Was viele nicht wissen: Schon nach einem Tag sammelt sich jede Menge Zeug in den Hörgeräten. Ohrenschmalz, Hautpartikel, Feuchtigkeit – das kommt alles zusammen und sorgt für Ärger. Neulich hatte ich einen Kunden, dessen Mikrofon komplett dicht war. Das Gerät war praktisch stumm geschaltet durch all die Ablagerungen.
Das Gemeine daran: Feuchtigkeit greift die Elektronik an. Die kleinen Bauteile sind echt empfindlich und wenn da Korrosion auftritt, wird’s teuer. Bakterien und anderer Dreck machen die Sache nicht besser – da kann es sogar zu Entzündungen im Ohr kommen. Das will keiner.
Bundesweit zeigen Studien übrigens, dass gepflegte Hörgeräte 30 bis 50 Prozent länger halten. Klingt logisch, ist aber trotzdem beeindruckend. Bei Geräten, die mehrere tausend Euro kosten, rechnet sich die Pflege also ziemlich schnell. Viele Träger unterschätzen, wie sehr sich eine konsequente tägliche Pflegeroutine auf die Langlebigkeit auswirkt.
Hörgeräte pflegen – je nach Hörgerätetyp richtig gemacht
Hier wird’s etwas kniffliger, weil nicht alle Hörgeräte gleich sind. Bei den Hinter-dem-Ohr-Geräten ist es noch relativ einfach: Batterie raus, Gehäuse mit einem trockenen Mikrofasertuch abwischen. Die Ohrpassstücke und Schläuche kann man sogar abnehmen und richtig waschen – am besten mit speziellen Reinigungstabletten.
Allerdings – und das sage ich meinen Kunden immer wieder – bloß keine Wattestäbchen verwenden! Die können richtig Schaden anrichten, besonders bei den Receiver-In-Channel-Geräten. Da sitzen die Mikrofonöffnungen sehr exponiert und ein falscher Handgriff kann das ganze System lahmlegen.
Im-Ohr-Geräte sind noch heikler. Da ist die ganze Elektronik direkt im Gehäuse und man muss extrem vorsichtig sein. Ich empfehle spezielle Reinigungssprays – ein, zwei Sprühstöße auf ein weiches Tuch und dann sanft die Oberfläche abwischen. Wobei die Cerumenfilter sollte man regelmäßig wechseln. Das vergessen viele und wundern sich dann, warum nichts mehr geht.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Mikrofonöffnungen bei allen Gerätetypen. Diese winzigen Löcher sind das Einfallstor für Schmutz und können durch kleinste Partikel verstopfen. Mit speziellen Bürstchen lassen sich diese Bereiche vorsichtig säubern, ohne die empfindliche Technik zu beschädigen.
Richtig trocknen – das macht den Unterschied
Was beim Reinigen oft übersehen wird: Das Trocknen ist genauso wichtig. Feuchtigkeit killt die Elektronik – da gibt’s nichts zu diskutieren. Moderne Trocknungsstationen sind schon eine feine Sache. Die arbeiten mit UV-C-Licht und bekommen 99,99 Prozent aller Keime weg. Sowas wie die KINDotoClean Trockenstation macht das alles automatisch.
Eigentlich sollte jeder Hörgeräteträger so ein Gerät haben. Die verdampfen die Restfeuchtigkeit aktiv und man kann beruhigt schlafen. Wichtig bei der Lagerung: Batterien immer rausnehmen! Sonst gibt’s Korrosion und das wird richtig unschön.
Man könnte jetzt denken, das Badezimmer wäre ein guter Aufbewahrungsort – ist es aber definitiv nicht. Zu warm, zu feucht. Besser sind staubdichte Boxen oder spezielle Trocknungskapseln. Klingt vielleicht übertrieben, aber ich hab schon zu viele kaputte Geräte gesehen, die einfach falsch gelagert wurden.
Ein weiterer Tipp aus der Praxis: Wer keine professionelle Trockenstation hat, kann auf einfache Trockenkapseln mit Silica-Gel zurückgreifen. Diese ziehen die Feuchtigkeit aus der Luft und schützen die Geräte über Nacht. Besonders in feuchten Monaten oder bei sportlich aktiven Trägern ist das ein echter Lebensretter für die Elektronik.
Die richtigen Produkte für die optimale Pflege
Bei uns im Fachhandel gibt es inzwischen richtig gute Pflegeprodukte. Antibakterielle Reinigungssprays von Apollo, KIND oder Audinell sind sanft zu den Geräten, aber hart zum Schmutz. Das ist die richtige Balance.
Reinigungstabletten lösen auch hartnäckige Ablagerungen auf, ohne dass man schrubben muss. Und die speziellen Mikrofasertücher hinterlassen garantiert keine Kratzer. Was die professionellen Trocknungsgeräte angeht – das ist schon eine größere Investition, aber sie lohnt sich.
Als Akustiker kann ich jedem nur raten: Lasst euch die Produkte richtig erklären. Jeder Hörgerätetyp hat seine Eigenarten und was beim einen funktioniert, kann beim anderen Schäden verursachen. Alle drei bis sechs Monate sollte man ohnehin zur Wartung kommen – da können wir die Filter tauschen und mal richtig gründlich reinigen.
Übrigens gibt es auch Komplettsets für die Pflege zu Hause. Diese enthalten meist alles, was man braucht: Reinigungssprays, Bürstchen, Mikrofasertücher und oft auch Trocknungskapseln. Für Einsteiger ist das eine gute Möglichkeit, direkt mit der richtigen Ausrüstung zu starten. Wenn Sie Ihre Hörgeräte pflegen möchten, aber unsicher sind, welche Produkte für Ihr Modell geeignet sind, sprechen Sie uns Akustiker einfach an.
Unterm Strich: Pflege zahlt sich aus
Wer seine Hörgeräte ordentlich pflegt, hat einfach mehr davon. Täglich kurz drüber schauen, wöchentlich richtig sauber machen und ordentlich trocknen – das ist das ganze Geheimnis. Klingt nach Aufwand, wird aber schnell zur Routine.
Die paar Euro für Pflegeprodukte sind gut angelegt, wenn man bedenkt, was Reparaturen kosten können. Und ehrlich gesagt macht es auch mehr Spaß, mit sauberen, gut funktionierenden Geräten durchs Leben zu gehen. Die Hörgeräte danken es einem mit klarem Sound und langer Lebensdauer – eigentlich ein ziemlich guter Deal für ein paar Minuten Pflege am Tag.
Mein Rat als Experte: Entwickeln Sie eine feste Routine und bleiben Sie dabei. Morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafen gehen – das sind die idealen Zeitpunkte für die Grundpflege. So wird die Pflege zum Automatismus und Sie haben lange Freude an Ihren Hörgeräten.
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