Das Pfeifen kennt jeder, der Hörgeräte trägt oder jemanden kennt, der welche trägt. Wenn Hörgeräte pfeifen, ist das dieses hohe, dünne Fiepen, das genau dann losgeht, wenn man jemanden umarmt oder eine Mütze aufsetzt. Ich hab das so oft erlebt – nicht nur bei meinen Kunden, sondern auch die Scham danach. Der Blick, der durch den Raum geht. Das schnelle Weg-vom-Ohr-Halten.

Ich sag das, weil ich verstehe, warum viele Jahre lang einfach gar nichts gemacht haben. Das Pfeifen war für viele der Hauptgrund, die Geräte in die Schublade zu legen. Und das ist wirklich schade – weil sich da in den letzten Jahren so viel getan hat, dass man das kaum mehr vergleichen kann mit dem, was früher war.

Warum Hörgeräte pfeifen – die Technik dahinter

Kurz zur Technik, damit man versteht, worum’s geht. Das Hörgerät nimmt Schall auf, verstärkt ihn und gibt ihn in den Gehörgang ab. Soweit so gut. Das Problem entsteht, wenn ein Teil dieses verstärkten Schalls wieder zurück zum Mikrofon gelangt – zum Beispiel weil das Ohrpassstück nicht hundertprozentig sitzt, oder weil jemand die Hand ans Ohr hält, oder eben weil man umarmt wird. Der Schall kommt zurück, wird wieder verstärkt, kommt wieder zurück – und so schaukelt sich das auf. Das nennt sich akustische Rückkopplung, und das Ergebnis ist dieses charakteristische Pfeifen.

Früher war das ein echtes, alltägliches Problem. Mehr als die Hälfte aller Träger hatte regelmäßig damit zu kämpfen. Heute ist das anders – wobei ich nicht sagen will, dass es gar keine Rückkopplung mehr gibt. Aber sie ist selten geworden, und wenn sie auftritt, dann meist aus einem konkreten Grund, den man beheben kann.

Was die modernen Geräte anders machen

Der entscheidende Schritt war die sogenannte Adaptive Feedback Cancellation – AFC, wie wir das abkürzen. Das Gerät hört quasi sich selbst zu, erkennt das Muster eines entstehenden Rückkopplungssignals und erzeugt ein Gegensignal, das das Pfeifen auslöscht, bevor es hörbar wird. Das Prinzip ist ähnlich wie bei Noise-Cancelling-Kopfhörern – wer die kennt, kann sich vorstellen, wie das funktioniert.

Was mich bei manchen Systemen wirklich beeindruckt: Es gibt Hörgeräte, die den Ton in unter einer Millisekunde verarbeiten. Das ist so schnell, dass dem Rückkopplungssignal schlicht keine Zeit bleibt, sich überhaupt aufzubauen. Widex hat da zum Beispiel eine Technologie entwickelt – ZeroDelay nennen die das –, die genau auf dieser Idee basiert. Klingt nach Marketing, ist aber Physik.

Neulich saß ein Rentner bei mir, der seit Jahren mit einem älteren Gerät unterwegs war und beim Kirchgang immer Probleme hatte – der Nachhall im Kirchenschiff hat das Pfeifen ausgelöst, und er hat sich immer geschämt. Mit einem neuen Gerät war das beim ersten Testtragen in unseren Räumen schon Geschichte. Der hat mich so angeschaut, als hätte ich einen Zaubertrick gemacht. Dabei war’s nur die aktuelle Technik.

Künstliche Intelligenz – was steckt dahinter?

Das Wort KI wird gerade für alles verwendet, und ich bin da grundsätzlich vorsichtig. Aber in dem Fall macht es Sinn, darüber zu reden, weil die Systeme wirklich anders arbeiten als frühere Hörgeräte.

Einige Hersteller trainieren ihre Algorithmen auf Millionen von echten Klangsituationen. Das Gerät lernt, den Unterschied zu erkennen zwischen einem hohen Vogelzwitschern und einem beginnenden Rückkopplungspfeifen – beides klingt ähnlich, aber das eine ist ein echtes Geräusch, das man hören will, das andere ist ein Fehler im System. Ältere Geräte haben da manchmal überreagiert und echte Hochtongeräusche einfach weggebügelt, weil sie wie Feedback aussahen. Das macht sich dann so bemerkbar, dass Musik komisch klingt oder Vogelstimmen fehlen.

Oticon arbeitet zum Beispiel mit einem Deep Neural Network, das auf zwölf Millionen Klangsituationen trainiert wurde. ReSound hat Systeme, bei denen beide Hörgeräte miteinander kommunizieren und Rückkopplungsdaten teilen. Starkey macht das mit einer Rundumklang-Analyse. Jeder Hersteller geht da ein bisschen anders ran – aber die Richtung ist dieselbe: Das Gerät soll verstehen, was gerade passiert, nicht nur reagieren.

Was das im Alltag bedeutet, wenn Hörgeräte pfeifen

Telefonieren, Umarmungen, Mütze aufsetzen im Winter, Helm beim Radfahren, Friseurbesuch – das sind alles Situationen, die früher echte Problemzonen waren. Heute höre ich das kaum noch. Kunden kommen zwar manchmal mit dem Thema rein – „Meine Nachbarin hat gesagt, Hörgeräte pfeifen immer“ –, und dann erzähle ich ihnen, dass das eben nicht mehr stimmt, jedenfalls nicht pauschal.

Was mich dabei freut: Die Leute kommen wieder raus. Sie gehen wieder auf den Christkindlmarkt, treffen sich mit den Enkeln beim Kaffee, sitzen beim Stammtisch – ohne die ganze Zeit Angst zu haben, dass das Gerät anfängt zu pfeifen und alle schauen. Das klingt nach einer Kleinigkeit. Aber für jemanden, der das jahrelang gemieden hat, ist das alles andere als klein.

Und dass regelmäßiges Hören auch gesundheitlich einen Unterschied macht – das ist inzwischen gut belegt. Wer sein Gerät wirklich trägt, versorgt sein Gehirn kontinuierlich mit akustischem Input. Studien zeigen, dass das das Demenzrisiko spürbar senken kann, deutlich sogar, wenn man früh anfängt. Das ist natürlich kein Allheilmittel. Aber es ist ein Argument mehr, das Gerät nicht in der Schublade liegen zu lassen.

Warum die Anpassung trotzdem entscheidend bleibt

Hier möchte ich ehrlich sein, weil das manchmal untergeht: Kein Algorithmus der Welt kann ein schlecht sitzendes Ohrpassstück ersetzen. Wenn der Abschluss zum Gehörgang nicht stimmt, hat die Software ein Problem, das sie nicht vollständig lösen kann. Sie kann’s abmildern – aber das ist nicht dasselbe wie ein Gerät, das von Anfang an richtig gemacht ist.

Jeder Gehörgang ist anders. Wirklich. Nach zwanzig Jahren im Beruf sehe ich das immer noch. Ein Ohr, das auf den ersten Blick normal aussieht, kann in der Tiefe ganz anders geformt sein als das Ohr daneben. Deshalb fertigen wir Otoplastiken individuell an – damit das Passstück sitzt, und zwar so, dass nicht ständig Schall rausleckt.

Dazu kommt die Programmierung. Die Geräte müssen auf das individuelle Hörverlustmuster eingestellt werden, auf die Frequenzen, wo jemand wirklich Verstärkung braucht. Und dann machen wir sogenannte Feedback-Reservetests – wir bringen das Gerät absichtlich in Situationen, die Rückkopplung riskieren, um zu sehen, wie viel Puffer da noch ist. Das gibt uns Sicherheit, dass das Gerät auch bei einem Telefonat oder einer engen Umarmung ruhig bleibt.

Laut aktuellen Nutzerdaten berichten weit über neunzig Prozent der Menschen, die sich gut angepasste Geräte haben machen lassen, von einer echten Verbesserung ihrer Lebensqualität. Das deckt sich mit dem, was ich hier täglich erlebe. Aber der Schlüssel ist eben diese Kombination: gute Technik und ordentliche Anpassung. Das eine ohne das andere taugt nur halb so viel.

Wenn Sie also schon länger überlegen, oder wenn Sie ein Gerät haben, das Sie schon eine Weile nicht mehr tragen – kommen Sie vorbei. Nicht wegen dem Verkauf. Sondern weil es sich lohnt, mal zu schauen, was heute möglich ist. Meistens sind die Leute überrascht, wie weit die Technik gekommen ist und wie selten moderne Hörgeräte pfeifen, wenn sie richtig angepasst wurden.

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